Donnerstag, 26. Januar 2012




ich bin süchtig glücklich.
süchtig nach dir & glücklich bei mir
traurig zu zweit, gedanklich verstreut
du weißt nicht wohin; dahin, wo ich bin

Samstag, 21. Januar 2012

Jetzt ist Winter, Version 1

„Jetzt ist Winter, sag das für mich“. Ich sitze auf seiner Fensterbank und rauche, aber der Rauch säuselt immer wieder zurück ins Zimmer, statt aus dem Fenster hinaus. Draußen hat es leise begonnen zu schneien.
„Du musst nach oben rauchen. Warme Luft zieht oben raus und zieht den Rauch dann mit.“
„Sag schon.“
„Jetzt ist Winter.“
Ich schließe meine Augen.
„Nochmal.“
„Jetzt ist Winter.“
Kann man Stimmen einfangen? Und Muttermale und kleine Härchen auf großen Zehen und Adern, die sich vom Handrücken den Unterarm hinaufziehen? Und Stimmen, ganz besonders Stimmen? Sie sind so flüchtig, man meint, man könne sie behalten, aber eigentlich kann man sie nur wiedererkennen. Abspielen und wieder abspielen kann man sie nie. Ich frage mich, was mir irgendwann einmal bleiben wird, wenn alles wie immer sein Ende nimmt, wenn es nicht einmal seine Stimme sein wird. Wann bekommt man so etwas denn schon mal zu hören, „Jetzt ist Winter“ und dann auch noch nur für einen selbst, allerhöchstens einmal im Jahr.
„Jetzt ist Winter.“
Seine Stimme klingt so warm, sein „Jetzt ist Winter“, so als würde allein sie den Dampf in der kalten Luft erzeugen und nicht sein Atem. „Jetzt ist Winter“. Er macht den Satz nicht länger, als er sein muss, gibt ihm aber auch seine Zeit und eigentlich flüstert er ihn. Nicht tatsächlich aber eigentlich. Man kann fast hören, wie seine Zunge hier einmal einen Schneidezahn berührt und dort kurz am Gaumen kleben bleibt. Geschichtenerzähler hätte er werden sollen, Geschichtenerzähler und nicht Schreiner.
„Komm schon“, sagt er, beugt sich vor und küsst mich auf die Stirn, „lass uns schlafen gehen.“ Und ab jetzt läuft die Zeit, irgendwann erklingt jede Stimme ein letztes Mal, irgendwann sagt jeder ein letztes Mal „Jetzt ist Winter“. Nur für diese eine Person.

Montag, 16. Januar 2012

Der Kuckuck - Zweiter Teil

„Kitsch“, sagt Maik im Kaufhaus. „Kitsch“, sagt Maik zu allem.
Zu Plüschtieren mit Herzchenaugen, zu Blumensträußen. Zu Pralinen, zu Parfum, zu Wein. Zu Kuchen, zu Büchern, zu Tee, zu Gurken, zu Tomaten, zu Eisbergsalat. Zu Sternchensuppe.
Kitschig.
Kitsch.
K-I-T-S-C-H.
KIIIIIIIIIIITSCH.
Er sagt das Wort, bis es mich verstört.
Kitsch, was reimt sich auf Kitsch?
Irgendwann hält er mir zehn Euro hin, „such du doch nach etwas.“
Also kaufe ich seiner Freundin die Pralinen zum Valentinstag.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Bescherung

Auf morgen hatten wir auf, einen 7-sätzigen Text über ein Weihnachtsessen zu schreiben. Die Aufgabe fand ich ehrlich gesagt doof, sie lag mir gar nicht. Als Ideenanstoß für die Aufgabe nannte die Dozentin das Buch "Muschelessen" von Birgit Vanderbeke. Ich kenne den Roman nicht, aber sie erzählte, dass das ganze Buch durchgehend bei einem Abendessen spiele. Im Umkehrschluss sollten wir keinen langen sondern einen kurzen Text über ein Essen schreiben. Wobei ich finde, dass sich einfach von der Logik her schon eine lange Variante anbietet. Es erinnert mich ein bisschen an das Theaterstück "Lehrernacht" oder auch an den Film "12 angry men", die beide nie in der Zeit oder Kulisse springen, es dreht sich bei beidem um einen Abend, an dem Menschen aufeinandertreffen und sich unterhalten. Da tun sich natürlich Abgründe auf, man erfährt so viel über die Figuren, es ist nicht schwer, da so viel Stoff zusammenzubekommen, um daraus ein Buch zu machen. Aber erzählt mal eine solche Geschichte in 7 Sätzen. Und den Anspruch hatte ich schon an mich: Ich will Literatur machen und die geht eben über die reine Beschreibung, in dem Falle eines Weihnachtsessens, hinaus und erzählt Geschichten. Das ist mir allerdings äußerst schwer gefallen, v.a., weil ich mich auch stilistisch nicht wirklich einschränken wollte. Ich habe mehrer Varianten versucht und rumgeschmiert, aber ehrlich gesagt bin ich mit dem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden.


Mama steht auf und schreit, der Stuhl kippt um, sie hat die Essiggürkchen vergessen, Papa verdreht die Augen und Opa ist grimmig. Der kleine Bruder quengelt, er will jetzt endlich Bescherung, er weiß doch ganz genau, dass das große Päckchen da für ihn ist und das Essen schmeckt sowieso nicht.
Oma sagt: „Aber zuerst wird gesungen!“
Und dann klingelt es.
Mama lässt die Essiggürkchen links liegen, Oma bricht in Tränen aus, die große Schwester kriegt den Mund nicht mehr zu und Opa schaut immer noch grimmig, aber dieses Mal hat er was im Auge.
Es ist der Onkel und er ist tausend Jahre alt, es ist der Onkel als Weihnachtsmann. Es ist ein Weihnachtswunder.

Mittwoch, 4. Januar 2012



So wäre ich gerne.

Sonntag, 1. Januar 2012

Der Kuckuck - Erster Teil

Deinen brustkorb
werde ich ausräuchern
hab acht
wenn du flügel schlagen hörst
ziehe ich vielleicht schon
gen süden
3 Dez. 2011 02:56
Von: M.

Mittwoch, 28. Dezember 2011



Ich bin immer der Meinung, man sollte Selbstportraits immer mithilfe eines Spiegels zeichnen (oder eben aus dem Gedächtnis, wenn man so hart drauf ist). Wenn ich von Fotos abzeichne, habe ich das Gefühl, die "Aura" wird verfälscht. Die Zeichnung wirkt dann gar nicht mehr so lebendig oder beseelt.
Ich habe allerdings nur so kleine Schminkspiegel, in die eigentlich nie mein ganzer Kopf passt. Deshalb habe ich mich gefragt, was auratechnisch wohl passiert, wenn ich mich von der Webcam abzeichne. Also nicht von einem Webcam-Foto, sondern wenn ich die Webcam gewissermaßen als Spiegel nutze.
Verfälscht das Digitalisieren, das Umrechnen eines Gegenstandes dessen Aura? Irgendwo zwischen Aufnahme und Wiedergabe ist das Bild ja nicht mehr es selbst, irgendwo dazwischen wird es abstrahiert. Oder ist dies nur bei Fotos, also beim Festfrieren von Momenten der Fall?

Man könnte dieses Portrait, das ich mithilfe der Webcam gezeichnet habe, also mit diesem Spiegelportrait vergleichen. Und eigentlich ist es ja nicht so wichtig, wie exakt ich in beiden Fällen meine tatsächliche Anatomie festhalten konnte, wenn ich nur die Lebendigkeit beider Bilder vergleichen möchte, aber irgendwie fällt es mir trotzdem schwer, weil ich mit der obigen Zeichnung einfach nicht so ganz zufrieden bin. Irgendwie ist mein Gesicht so langgezogen. Und digitalisiert wirkt sie nochmal viel bekackter als wenn man sie vor sich hat (womit wir wieder beim Thema wären), was allerdings auch an dem schrottigen Scanner liegen kann, das ist nämlich nicht meiner.

1) Den Begriff der Aura habe ich jetzt einfach mal von Walter Benjamin übernommen.
2) Habe von meiner Schwester zu Weihnachten einen 7B-Bleistift bekommen, den musste ich natürlich gleich mal ausprobieren.